Tipps für den Umgang mit intimen Bildern in den Sozialen Medien

Fotos teilen macht Spaß. Sie sind viel persönlicher als schnöder Text und vermitteln einen Eindruck von Nähe. Nicht umsonst heißt es: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.“

Doch genau das ist auch das Problem. Denn Bilder können auch verräterisch sein. Digitale Bilder beinhalten weit mehr als das, was sie abbilden. Grund dafür sind die sogenannten Metadaten, die jedem Bild angeheftet sind. Metadaten, das sind Daten über das Bild, zum Beispiel, wann und wo es aufgenommen wurde, mit welcher Kamera, welche Brennweite, welches Betriebssystem, wie die Lichtverhältnisse waren und einiges mehr. Aus diesen Daten lassen sich Rückschlüsse darüber ziehen, wo sich die abgebildete (und die fotografierende) Person zur entsprechenden Uhrzeit aufgehalten hat, oder mit wem sie unterwegs war. Man kann Bilder miteinander in Zusammenhang bringen und somit ein Bild ohne Aussagekraft (zum Beispiel kein Gesicht erkennbar) mit einem verknüpfen, das sehr viel aussagt (zum Beispiel Gesicht erkennbar).

Ist ein digitales Foto erst mal in die falschen Hände gelangt, lässt es sich potentiell nicht wieder einfangen. Wenn es ein Mal veröffentlicht wurde, kann es jede Person auf den eigenen Rechner herunterladen und später erneut online stellen. Mitunter kann sogar genau der Versuch, ein Foto aus dem Netz zu entfernen dazu führen, dass es erst richtig bekannt wird. So erging es beispielsweise Barbara Steisand, nach der dann auch das entsprechende Phänomen benannt wurde: der Streisand-Effekt.

Deshalb sollte man vor dem Teilen von Fotos immer abwägen:

  • Mit wem teile ich es? Mit bestimmten Personen oder mit dem gesamten Internet?
  • Welche Informationen teile ich mit dem Bild?
  • Was zeigt das Bild?
  • Kann ich auch in 20 Jahren noch zu dem Bild stehen? Wäre es ok für mich, wenn sich dieses Bild im Netz verselbstständigt?

 

Wie Sie Meta-Daten löschen können

Bevor man ein Bild im Internet postet, sollte man unbedingt die Metadaten (auch Exif-Daten genannt) löschen. Das geht auf dem Smartphone ganz einfach mit der entsprechenden App:

  • Für Android: Scrambled Exif (gibt es im Play Store und im F-Droid-Store)
  • Für iOS gibt es z.B. „Exif löschen“. Da dies aber keine Freie Software ist, können wir nicht sagen, ob die App empfehlenswert ist.

Scrambled Exif ist sehr einfach zu bedienen. Nachdem die App installiert wurde, fügt sie dem Teilen-Menü eine weitere Option hinzu. Wenn Sie ein Bild teilen wollen und auf den Teilen-Knopf gehen, wählen Sie (zunächst) statt der App, mit der Sie das Bild teilen wollen, Scrambled Exif aus. Hierauf öffnet sich der Teilen-Dialog direkt erneut. Jetzt wählen Sie wie gewohnt die App aus, über die Sie das Bild teilen wollen. Die Metadaten sind nun aus dem Bild entfernt. Noch einfacher geht es nicht.

 

Was Sie beim Teilen intimer Bilder beachten sollten

Bei einem digitalen Flirt oder auch in einer Fernbeziehung kann es prickeln, wenn man via Messenger oder E-Mail intime Fotos teilt. Da es sich hier um einen spannenden Teil des digitalen Lebens handelt, wollen wir davon nicht grundsätzlich abraten.

Doch sollte man sich der Gefahr bewusst sein, dass das Vertrauen, das man in sein Gegenüber setzt, auch missbraucht werden kann. Verletzter Stolz nach einer Abweisung führt leider viel zu häufig dazu, dass sich die zurückgewiesene Person rächen möchte und Fotos herauskramt, die sie irgendwann mal erhalten hat. Diese werden nun zu einer Waffe, mit der Macht ausgeübt werden oder der betroffenen Person großer Schaden zugefügt werden kann. Leider erkennt man das meist erst, wenn es zu spät ist. Unsere Beratungen sind voll von Frauen*, die mal geglaubt haben, sie könnten ihrem Partner vertrauen. Der beste Rat ist tatsächlich, solche Fotos nicht zu verschicken. Wer sich dennoch dafür entscheidet, sollte sich das Risiko vorher bewusst machen. Manche Messenger erlauben es, verschwindende Nachrichten zu schicken. Sie werden dann nach einer voreingestellten Zeit wieder gelöscht. Allerdings kann ein Foto in dieser Zeit auch auf das Gerät heruntergeladen werden und wird von dort dann nicht mit gelöscht. In jedem Fall sollte man darauf achten, dass man solche Bilder nur über eine verschlüsselte Verbindung verschickt. Die Nachrichten im Messenger Telegram oder E-Mails sind nicht standardmäßig verschlüsselt. Hier sollte unbedingt vorher eine Verschlüsselung aktiviert werden.

 

Bilder in der Cloud

Viele Smartphones speichern Fotos in der Cloud. Das ist praktisch, denn dann hat man von verschiedenen Geräten aus gleich Zugriff. Außerdem gehen die Bilder nicht verloren, wenn das Smartphone gestohlen wird oder in der Pfütze landet. Doch es ist auch sehr problematisch. Denn die Cloud, das ist immer ein Computer eines anderen Menschen. Ihre Fotos liegen dann also bei einer wildfremden Person auf dem Computer. Meist ist das eine Firma mit großen Serverfarmen. Das ändert aber nichts daran, dass Sie nichts über die Person(en) wissen, der/denen Sie Ihre Fotos anvertrauen.

Überdies besteht immer die Möglichkeit, dass in Ihren Cloud-Account eingebrochen wird. Manche unserer Klientinnen* fanden Fotos im Internet wieder, die sie in der Cloud gelagert hatten. Deshalb gilt: Egal, wie praktisch es sein mag: Die Cloud ist kein guter Ort, um Ihre Fotos zu bewahren. Investieren Sie lieber die Zeit, um Ihre Fotos regelmäßig vom Smartphone auf den Rechner oder eine (verschlüsselte) externe Festplatte zu kopieren und Backups anzulegen.

Sie können auch selbst eine eigene Cloud betreiben. Mit Nextcloud auf einem eigenen Server behalten Sie die Kontrolle über die Daten, die dort liegen. Hier kann man grundsätzlich auch Fotos  synchronisieren. Doch das ist mit einem gewissen Aufwand verbunden. Handelt es sich um die Nextcloud einer befreundeten Person, bedenken Sie, dass bei einem Konflikt die Bilder hier vielleicht auch nicht mehr gut aufgehoben sein könnten.

 

Erotische Fotoaufnahmen

Wer erotische Fotos erstellen möchte, sollte sich vorher kurz Zeit nehmen und ein paar Sicherheitsmaßnahmen ergreifen. Dann kann man noch entspannter fotografieren und es macht dann auch viel mehr Spaß.

Auch hier gilt: Digitale Fotos sind sehr schnell kopiert und sollten gar nicht erst in die falschen Hände geraten. Es gibt ein paar Optionen, wie sich das vermeiden lässt.

Option 1 – Analog fotografieren: Auch analoge Fotos lassen sich digitalisieren. Doch bis dahin sind sie vor ungewollter Vervielfältigung recht gut geschützt. Fotografieren Sie mit einer Polaroid-Kamera. Es gibt dann nur ein Foto ohne Negativ oder andere Spur. Sollte Ihnen das zu teuer sein, oder optisch zu retro, können Sie auch mit einer analogen Filmkamera arbeiten. Allerdings muss dieser Film ja auch entwickelt werden. Das entsprechende Fotolabor hat also potentiell Einblick in die Fotos.

Option 2 – Kontrolle behalten: Wenn Sie mit einer digitalen Kamera fotografieren, stellen Sie sicher, dass die Fotos Ihren Einflussbereich nie verlassen. Vergewissern Sie sich, dass auf dem Gerät die Synchronisation in die Cloud abgeschaltet ist. Übertragen Sie die Fotos direkt nach dem Shooting auf Ihre eigenen (verschlüsselten!) Datenspeicher und vergewissern Sie sich, dass diese von der Kamera gelöscht wurden, bevor die fotografierende Person den Raum verlässt.

Bild: Tim Stahmer CC BY-NC-SA 2.0


Wir beraten Sie zum Thema Digitale Sicherheit bei Verdacht auf (Cyber)Stalking gerne persönlich. Unser Beratungsangebot finden sie hier.